1. Aufgabenstellung verstehen & Sachverhalt aufbereiten
Im Strafrecht steht und fällt jede Hausarbeit mit dem ersten Schritt: dem präzisen Verständnis der Aufgabenstellung. Lies den Sachverhalt mehrfach. Markiere die handelnden Personen, die einzelnen Tathandlungen und alle zeitlichen Abläufe. Notiere dir, welche Tatbestände in Betracht kommen und welche Folgefragen sich daraus ergeben.
Stelle dir bei jeder Person und jeder Handlung die zentrale Frage: Was hat sie wann getan, mit welchem Vorsatz, und welche Norm könnte erfüllt sein? Erst wenn du den Sachverhalt vollständig durchdrungen hast, beginnst du mit der Gliederung – nicht früher.
2. Grundlagen: Die drei Leitprinzipien des Strafrechts
Schuldprinzip, Legalitätsprinzip, Verhältnismäßigkeitsprinzip
Im deutschen Strafrecht sind drei Prinzipien Grundlage jeder Argumentation. Das Schuldprinzip besagt: Es darf nur bestraft werden, wer schuldhaft gehandelt hat. Ohne Schuld keine Strafe. Das Legalitätsprinzip (Art. 103 II GG, § 1 StGB) verlangt, dass eine Handlung nur strafbar ist, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde. Das Verhältnismäßigkeitsprinzip sorgt dafür, dass jede Sanktion geeignet, erforderlich und angemessen ist.
Diese drei Prinzipien sind nicht nur Theorie. Sie sind dein Argumentationsanker, wenn du in der Klausur oder Hausarbeit Streitstände entscheiden musst. Reference: Aufbau eines Strafurteils.
3. Aufbau einer strafrechtlichen Hausarbeit
Gliederung & Struktur
Eine strafrechtliche Hausarbeit folgt einem festen Aufbau: Deckblatt, Sachverhalt, Gliederung, Literaturverzeichnis, Gutachten und Eigenständigkeitserklärung. Im Gutachten arbeitest du dich Person für Person, Tat für Tat durch. Die Reihenfolge orientiert sich an der zeitlichen Abfolge der Handlungen, nicht an der alphabetischen Anordnung der Tatbestände.
Wenn du bei der äußeren Form unsicher bist, hilft dir unser Artikel zum Deckblatt einer juristischen Hausarbeit und der allgemeine Leitfaden zur Gliederung einer Jura-Hausarbeit.
Im strafrechtlichen Gutachten lautet die Fallfrage in den meisten Fällen: „Wie haben sich die Beteiligten nach dem StGB strafbar gemacht?“. Sie strukturiert deine gesamte Lösung. Eine klare Fallfrage hilft dir, dich nicht in Nebenschauplätzen zu verlieren – jedes Argument, jede Definition, jede Subsumtion muss am Ende auf diese Frage zurückführen.
4. Fallbeispiel: Subsumtion im Gutachtenstil
Sachverhalt aufbereiten
Bevor du subsumierst, musst du den Sachverhalt vollständig erfassen. Trenne dabei objektive Tatumstände (was ist passiert?) von subjektiven Elementen (mit welchem Vorsatz?). Prüfe Vorsatz und Fahrlässigkeit getrennt, denn die Abgrenzung entscheidet, ob ein Tatbestand überhaupt einschlägig ist.
Beispiele für strafbare Handlungen im Internet
Subsumtion unter die relevanten Normen
Jedes Tatbestandsmerkmal wird im Gutachtenstil geprüft: Obersatz (T könnte sich nach § X strafbar gemacht haben, indem …), Definition (Tatbestandsmerkmal Y bedeutet …), Subsumtion (im vorliegenden Fall hat T …), Ergebnis (also ist das Merkmal erfüllt). Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar – sie ist das Markenzeichen jeder strafrechtlichen Hausarbeit.
5. Hauptteil & Argumentation
Eine starke Argumentation lebt davon, dass du Streitstände erkennst und vertretbar entscheidest. Wenn ein Tatbestandsmerkmal in Rechtsprechung und Literatur unterschiedlich beurteilt wird, stellst du die Auffassungen kurz dar, gewichtest sie und triffst eine Entscheidung. Das ist der Kern juristischen Arbeitens – nicht das bloße Wiedergeben von Lehrmeinungen.
Verzichte auf rhetorische Floskeln. Schreibe in klaren, kurzen Sätzen. Jeder Satz muss entweder einen Obersatz, eine Definition, eine Subsumtion oder ein Ergebnis enthalten. Was diese Schritte nicht erfüllt, gehört nicht in den Hauptteil.
6. Stil, Sprache und Quellenarbeit
Quellen und Rechtsprechung sauber zitieren
In juristischen Hausarbeiten zitierst du Lehrbücher, Kommentare und Aufsätze in den Fußnoten. Urteile werden mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und Fundstelle (NJW, NStZ, BGHSt …) angegeben. Achte auf die Vorgaben deines Lehrstuhls – manche fordern „aaO“, andere ausgeschriebene Wiederholung. Kommentare wie der MüKo-StGB oder Schönke/Schröder gehören zum Pflichtstandard.
Stil & Sprache
Schreibe in der dritten Person, präzise und ohne Wertungen. Streitstände beschreibst du neutral, deine Entscheidung begründest du sachlich. Vermeide Substantivketten und Schachtelsätze – juristischer Stil heißt nicht: möglichst kompliziert.
Vier Faustregeln für den Stil
- Im Gutachtenstil schreibst du im Konjunktiv („T könnte sich strafbar gemacht haben …“). Erst nach abgeschlossener Subsumtion folgt die definitive Aussage.
- Definitionen werden wörtlich oder leicht angepasst übernommen, aber immer belegt.
- Streitstände werden in eigenen Absätzen behandelt, nicht in Schachtelkonstruktionen versteckt.
- Jede Norm und jede Definition wird einmal eingeführt, dann nur noch verwendet.
7. Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
Drei Fehler kosten in strafrechtlichen Hausarbeiten regelmäßig Punkte: Erstens der Wechsel zwischen Gutachten- und Urteilsstil. Zweitens das Übergehen einzelner Tatbestandsmerkmale, weil sie „offensichtlich“ erfüllt scheinen. Drittens Streitstände, die referiert, aber nicht entschieden werden.
Lies deine Hausarbeit am Ende mit zwei Brillen: einmal aus juristischer Sicht (stimmt jede Subsumtion?) und einmal aus formaler Sicht (Zitate, Fußnoten, Gliederung, Sprache). Wenn du Hilfe bei Seitenzahlen oder beim allgemeinen Satzbau brauchst, schau in die verlinkten Artikel.