Was ist die Google Scholar Literaturrecherche und wie funktioniert sie?
"Google Scholar bietet eine einfache Möglichkeit, umfassend nach wissenschaftlicher Literatur zu suchen. Von einem Ort aus können Sie in vielen Disziplinen und Quellen suchen: Artikel, Abschlussarbeiten, Bücher, Abstracts und Gerichtsurteile von wissenschaftlichen Verlagen, Fachgesellschaften, Online-Repositorien, Universitäten und anderen Websites."
— Google Scholar, Offizielles Google Scholar-Entwicklungsteam
Bei der Google Scholar Literaturrecherche handelt es sich um eine spezialisierte Suchmaschine, die sich auf wissenschaftliche Literatur konzentriert. Anders als die klassische Google-Suche ist sie darauf ausgerichtet, dir Zugang zu akademischen Texten und Forschungsergebnissen zu verschaffen.
Unterschied zu Google und anderen Suchmaschinen
Google Scholar unterscheidet sich grundlegend von der normalen Google-Suche durch die Art der Filterung und Auswertung von Informationen. Während die klassische Suchmaschine alle öffentlich zugänglichen Webseiten durchsucht, fokussiert sich Google Scholar ausschließlich auf wissenschaftliche Inhalte. Außerdem durchsucht Google Scholar nicht nur das öffentlich zugängliche Web (Surface Web), sondern auch das Deep Web – Bereiche hinter Bezahlschranken wissenschaftlicher Verlage und lizenzierte Datenbanken.
Welche Quellen findet man mithilfe der Google Scholar Literaturrecherche?
Mit Google Scholar findest du eine breite Palette wissenschaftlicher Publikationen:
- Zeitschriftenartikel und Bücher
- Dissertationen und studentische Abschlussarbeiten
- Konferenzberichte und Abstracts
- Technische Berichte und Preprints
- Patente und Gerichtsentscheidungen
Im Januar 2018 wurde der Umfang von Google Scholar auf etwa 389 Millionen Dokumente geschätzt, wodurch es zur weltweit größten akademischen Suchmaschine wurde.
Ist Google Scholar eine Datenbank?
Nein, Google Scholar ist keine Datenbank im klassischen Sinne, sondern schlichtweg eine Suchmaschine. Der wesentliche Unterschied: Bei Datenbanken erfolgt eine intellektuelle Qualitätsprüfung und systematische Katalogisierung, während Google Scholar auf Algorithmen basiert. Dadurch fehlt eine qualitative Auswahl, was bedeutet, dass auch Dokumente ausgewiesen werden können, die den strengen wissenschaftlichen Standards nicht genügen, also in wissenschaftlichen Arbeiten mit Quellen nicht zitierfähig sind.
Einfache Suche vs. erweiterte Suche
Die einfache Suche funktioniert ähnlich wie die normale Google-Suche – du gibst Begriffe ein, die automatisch mit „AND“ verknüpft werden. Für präzisere Ergebnisse bietet Google Scholar allerdings auch eine erweiterte Suche. Dort kannst du nach bestimmten Wörtern, Autoren oder Publikationszeiträumen filtern. Zudem lassen sich Suchergebnisse nach Datum sortieren oder geografisch einschränken.
Suchergebnisse verstehen und bewerten
Bei der Bewertung der Suchergebnisse ist zu beachten, dass sie nicht nach wissenschaftlicher Relevanz sortiert werden, sondern hauptsächlich nach Klickzahlen. Allerdings bietet die Zitationsanalyse einen wichtigen Anhaltspunkt: Unter jedem Treffer siehst du „Zitiert von“, was anzeigt, wie häufig der Text von anderen Wissenschaftlern zitiert wurde.
Zugang zu Volltexten und PDFs
Nicht alle in Google Scholar gefundenen Texte sind frei zugänglich. Viele wissenschaftliche Arbeiten liegen hinter Bezahlschranken. Um trotzdem Zugang zu erhalten, kannst du deine Universitätsbibliothek verknüpfen: Unter „Einstellungen“ > „Bibliothekslinks“ lässt sich die eigene Hochschule hinzufügen. Mit aktiviertem VPN kannst du dann direkt auf lizenzierte Inhalte zugreifen.
Die Google Scholar Literaturrecherche Suchoperatoren im Detail
Um deine Literaturrecherche zu verfeinern, bietet Google Scholar verschiedene Suchoperatoren an. Diese speziellen Befehle helfen dir, präzisere Suchanfragen zu formulieren und genau die Quellen zu finden, die du für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst.
Begriffe ausschließen mit Minuszeichen
Möchtest du bestimmte Begriffe aus deinen Suchergebnissen ausschließen? Dafür verwendest du einfach das Minuszeichen direkt vor dem auszuschließenden Begriff. Wichtig dabei: Setze keinen Leerraum zwischen dem Minuszeichen und dem Wort. Eine Suche nach „Gruppendynamik -Konflikte“ zeigt dir beispielsweise Ergebnisse zum Thema Gruppendynamik, ohne dass der Begriff „Konflikte“ darin vorkommt. Alternativ kannst du auch das Wort „NOT“ in Großbuchstaben verwenden, allerdings wird das Minuszeichen von Experten bevorzugt.
Synonyme mit Tilde (~) finden
Wenn deine Suche zunächst keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefert, kannst du mit der Tilde (~) auch nach Synonymen suchen. Setze dafür einfach die Tilde direkt vor den Suchbegriff – ohne Leerzeichen dazwischen. Bei einer Suche nach „~Umweltplanung“ bezieht Google Scholar automatisch ähnliche Begriffe mit ein. Besonders nützlich ist dies auch bei Fachbegriffen mit unterschiedlichen Bezeichnungen, wie etwa „~Migrationshintergrund“, was dann auch verwandte Konzepte einschließt.
Benötigst du speziell PDF-Dokumente für deine Recherche? Mit dem Suchoperator „filetype:“ kannst du gezielt nach bestimmten Dateiformaten suchen. Die Syntax lautet: „Suchbegriff filetype:pdf“. So findest du beispielsweise mit „Wissenschaftliche Arbeit Beispiel filetype:pdf“ ausschließlich PDF-Dokumente zu diesem Thema. Dies ist besonders praktisch, wenn du direkt downloadbare Volltext-Versionen von wissenschaftlichen Arbeiten suchst.
Nur im Titel suchen (allintitle:)
Für besonders relevante Ergebnisse kannst du deine Suche auf den Titel von Dokumenten beschränken. Der Operator „allintitle:“ bewirkt, dass alle nachfolgenden Suchbegriffe im Titel des Dokuments vorkommen müssen. Eine Suche nach „allintitle:Studieren in England“ liefert ausschließlich Ergebnisse, die alle drei Begriffe im Titel enthalten. Für einzelne Begriffe im Titel kannst du alternativ auch „intitle:“ verwenden.
AROUND(X) für kontextnahe Begriffe
Der AROUND(X)-Operator ermöglicht es dir, nach Begriffen zu suchen, die in einem bestimmten Abstand zueinander stehen. Das X steht dabei für die maximale Anzahl an Wörtern, die zwischen den Begriffen liegen dürfen. Wichtig: AROUND muss in Großbuchstaben geschrieben werden. Mit „Die Leiden AROUND(2) Werther“ findest du beispielsweise Dokumente, in denen maximal zwei Wörter zwischen „Die Leiden“ und „Werther“ stehen – ideal, wenn du den genauen Titel nicht kennst.
Die fünf besten Profi-Tricks für deine Google Scholar Literaturrecherche
„Google Scholar zielt darauf ab, Dokumente so zu bewerten, wie es Forscher tun. Dabei wird der vollständige Text jedes Dokuments, der Veröffentlichungsort, der Autor sowie die Häufigkeit und Aktualität der Zitierungen in anderer wissenschaftlicher Literatur berücksichtigt.“
— Google Scholar, Offizielles Google Scholar-Entwicklungsteam
Mit den richtigen Techniken wird deine Google Scholar Literaturrecherche deutlich effektiver. Die folgenden fünf Profi-Tricks helfen dir, genau die Quellen zu finden, die du für deine wissenschaftliche Arbeit benötigst.
1. Nutze Anführungszeichen für Phrasensuche
Wenn du nach einer exakten Wortfolge suchen möchtest, setze sie in Anführungszeichen. Anstatt nach einzelnen Begriffen wie Soziale Einflüsse auf individuelles Verhalten zu suchen, verwende „Soziale Einflüsse auf individuelles Verhalten“. Dadurch reduzierst du die Trefferzahl erheblich – beispielsweise von 1,6 Milliarden auf nur 5,5 Millionen Ergebnisse bei einer typischen Suche.
2. Verwende Boolesche Operatoren wie AND, OR, NOT
Boolesche Operatoren helfen dir, deine Suche präziser zu gestalten. Mit AND verknüpfst du Begriffe (z.B. Vegetarianismus AND Übergewicht), sodass beide vorkommen müssen. OR ermöglicht Alternativen (Schulisch OR akademisch). NOT – in Google Scholar als Minuszeichen verwendet – schließt unerwünschte Begriffe aus (Delfine -Fische). Ohne Operator setzt Google Scholar automatisch ein AND zwischen deine Suchbegriffe.
Tipp: Es gibt manchmal Unstimmigkeiten bei der Trefferanzahl, so führen gelegentlich mehrere mit dem AND-Operator verbundene Suchbegriffe zu mehr Gesamttreffern als die einzelnen Suchbegriffe, obwohl dieses Vorgehen die Suche eigentlich eingrenzen müsste.
3. Filtere nach Veröffentlichungsjahr für aktuelle Quellen
Für aktuelle Forschungsergebnisse kannst du nach Veröffentlichungsjahr filtern. Dies funktioniert entweder über die Suchparameter links in der Ergebnisliste oder in der erweiterten Suche. Dort lässt sich das früheste Erscheinungsjahr festlegen oder ein bestimmter Publikationszeitraum definieren. Besonders bei schnelllebigen Forschungsgebieten ist diese Funktion unverzichtbar.
4. Nutze „Zitiert von“ für weiterführende Literatur
Die „Zitiert von“-Funktion ist ein wahrer Schatz für deine Recherche. Sie zeigt an, wie oft ein Artikel zitiert wurde – oft, aber nicht immer, ein guter Indikator für dessen Relevanz. Mit einem Klick auf „Zitiert von: X“ erhältst du eine Liste aller Arbeiten, die diesen Artikel zitieren. Diese vorwärtsgerichtete Suche ist ideal, um neuere Publikationen zum gleichen Thema zu finden.
5. Speichere Favoriten und richte Alerts ein
Nutze die Favoritenfunktion (Stern-Symbol), um wichtige Quellen zu speichern – allerdings nur mit Google-Konto verfügbar. Noch hilfreicher: Richte Alerts ein, um automatisch über neue Publikationen zu deinen Suchbegriffen informiert zu werden. Wähle im Menü „Benachrichtigungen“ und dann „Alert erstellen“. Für präzisere Alerts verwende Operatoren wie Anführungszeichen um Autorennamen oder Begriffe.