Chicago Zitierweise meistern – So zitierst du fehlerfrei!

Wer wissenschaftlich schreiben will, muss korrekt zitieren – und zwar nach dem richtigen Stil. Besonders in den Geisteswissenschaften, Geschichte oder Theologie ist die Chicago-Zitierweise weit verbreitet. Aber auch in den Sozial- und Naturwissenschaften kommt sie häufig vor – in einer etwas anderen Form.

Die gute Nachricht: Chicago ist klar geregelt und lässt dir die Wahl zwischen zwei anerkannten Varianten. In diesem Artikel zeigen wir dir beide Wege, wann sie eingesetzt werden und wie du typische Fehler vermeidest. Mit dabei: anschauliche Beispiele, eine kompakte Vergleichstabelle – und ein klarer Plan, wie du dein Literaturverzeichnis sauber aufbaust.

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vom 23.01.2025

1. Die zwei Varianten der Chicago-Zitierweise – ein Überblick

Bei der Chicago-Zitierweise gibt es zwei gleichwertige Systeme, die du nicht miteinander kombinieren solltest:

  • Fußnotenstil (Notes and Bibliography): Du setzt im Text hochgestellte Ziffern und gibst die Quelle in einer Fußnote am Seitenende an. Ideal für Geistes- und Kulturwissenschaften.
  • Autor-Jahr-Stil (Author-Date): Du zitierst direkt im Text mit Autorennamen, Jahr und ggf. Seitenzahl – z. B. (Müller 2020, S. 15). Häufig in Sozial-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften.

Tipp: Frag im Zweifel bei deiner Betreuungsperson nach, welches System gefordert ist – oder schau in die Zitierrichtlinien deiner Hochschule.

Chicago im Vergleich zu anderen Zitierstilen:

  • Die Harvard-Zitierweise arbeitet wie Chicago Author-Date mit Autor-Jahr-Klammern im Text – allerdings flexibler in der Form und je nach Hochschule unterschiedlich umgesetzt.
  • APA legt viel Wert auf ein einheitliches Literaturverzeichnis und Autor-Jahr-Klammern; mehr dazu im Artikel richtig APA zitieren.
  • MLA verzichtet im Text auf die Jahresangabe und nutzt vor allem Autor + Seitenzahl.
  • Die deutsche Zitierweise nutzt wie Chicago Notes & Bibliography Fußnoten, ist jedoch oft ausführlicher und traditioneller in der Darstellung.

Kurz gesagt: Chicago ist flexibler und wird bevorzugt, wenn im Text viel kommentiert oder interpretiert wird.

2. Chicago-Zitieren mit Fußnoten – klassisch und präzise

So funktioniert's:

  • Du platzierst eine hochgestellte Zahl nach dem Punkt oder Anführungszeichen: „Die Studie bestätigt dies."¹
  • In der Fußnote folgt die vollständige Quellenangabe: ¹ Max Mustermann, Titel des Buches, München: Beispielverlag, 2020, S. 45.
  • Spätere Nennungen derselben Quelle kannst du abkürzen: ² Mustermann, Titel, S. 46.

Besondere Hinweise:

  • Nutze „Vgl." bei indirekten Zitaten und „ebd.", wenn du direkt danach dieselbe Quelle erneut zitierst.
  • Am Ende deiner Arbeit steht ein alphabetisch sortiertes Literaturverzeichnis – auch bei Fußnotenzitation Pflicht.

3. Autor-Jahr-System – kompakt im Text zitieren

Hier steht die Quelle direkt im Fließtext:

  • (Müller 2020, S. 15) oder Müller (2020, 15) betont, dass …
  • Bei mehreren Autoren: (Müller und Schulz 2019)
  • Ab drei Autoren: (Müller et al. 2021)
  • Bei Organisationen oder fehlenden Autoren nutzt du stattdessen den Kurztitel oder Namen der Einrichtung.

Im Literaturverzeichnis steht dann z. B.:

Müller, Max. 2020. Titel. Berlin: Verlag.

Dieses System eignet sich besonders gut für naturwissenschaftlich orientierte Studiengänge und empirische Arbeiten. Wenn du gerade an einer größeren empirischen Arbeit sitzt, hilft dir auch der Überblick zu Literaturrecherche dokumentieren beim sauberen Quellenmanagement.

4. Literaturverzeichnis nach Chicago – so geht's richtig

Ganz gleich, für welches System du dich entscheidest: ein vollständiges Literaturverzeichnis ist Pflicht.

  • Die Quellen werden alphabetisch nach Nachnamen sortiert.
  • Hängender Einzug: Ab der zweiten Zeile jeder Quelle wird eingerückt.
  • Formatunterschiede:
    • Notes & Bibliography: Nachname, Vorname. Titel. Ort: Verlag, Jahr.
    • Author-Date: Nachname, Vorname. Jahr. Titel. Ort: Verlag.

Tipp: Nutze ein Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero oder Citavi. Wenn du noch tiefer ins Thema willst, schau dir die Aufbau-Übersicht einer wissenschaftlichen Arbeit an – dort findest du, wo Quellenarbeit und Literaturverzeichnis im Gesamtaufbau verankert sind.

5. Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

❌ Fehler✅ Verbesserung
Beide Zitierweisen gemischt (z. B. mal Fußnote, mal Autor-Jahr)Einheitlich bleiben: entweder nur Fußnoten oder nur Autor-Jahr verwenden
Seitenzahlen im Autor-Jahr-Stil vergessenImmer Seitenzahlen angeben bei direkten oder indirekten Zitaten: (Müller 2020, S. 45)
Zitierte Quelle nicht im Literaturverzeichnis aufgenommenJede zitierte Quelle muss am Ende vollständig im Literaturverzeichnis stehen
Hochgestellte Fußnotenziffer steht vor dem PunktDie Fußnote gehört nach das Satzzeichen: „… wie gezeigt wurde."¹
Autorenvornamen abgekürzt im LiteraturverzeichnisChicago verlangt vollständige Vornamen: Müller, Max statt Müller, M.
Buchtitel nicht kursiv gesetztTitel von Büchern, Zeitschriften und Websites immer kursiv
Unnötige Angaben wie URL bei gedruckten BüchernBei Printquellen genügt: Autor, Titel, Verlag, Jahr – ohne URL oder Abrufdatum
Fehlender hängender Einzug im LiteraturverzeichnisAb der zweiten Zeile jeder Quelle wird eingerückt (hängender Einzug)
Verwechslung von Herausgebern und AutorenHerausgeber mit „hrsg. von" kennzeichnen, z. B. hrsg. von Max Beispiel

6. Wie du verschiedene Quellentypen nach Chicago zitierst – mit Beispielen

Ob Buch, Zeitschriftenartikel oder Onlinequelle – jede Quelle hat ihre eigene Formatierung. Hier bekommst du die wichtigsten Quellentypen in beiden Chicago-Stilen direkt als Beispiel.

Buch

Fußnote: ¹ Max Mustermann, Einführung in die Wissenschaft, Berlin: Uni-Verlag, 2020, S. 42.

Autor-Jahr im Text: (Mustermann 2020, 42)

Literaturverzeichnis (beide Varianten): Mustermann, Max. 2020. Einführung in die Wissenschaft. Berlin: Uni-Verlag.

Zeitschriftenartikel

Fußnote: ² Maria Beispiel, „Lernverhalten im digitalen Raum", Journal für Bildung und Medien 5, Nr. 2 (2019): 15–30.

Autor-Jahr im Text: (Beispiel 2019, 18)

Literaturverzeichnis: Beispiel, Maria. 2019. „Lernverhalten im digitalen Raum." Journal für Bildung und Medien 5 (2): 15–30.

Onlinequelle / Website

Fußnote: ³ Universität Hamburg, „Hinweise zur Zitierweise", Zugriff am 7. August 2025, https://www.uni-hamburg.de/zitieren.

Autor-Jahr im Text: (Universität Hamburg 2025)

Literaturverzeichnis: Universität Hamburg. 2025. „Hinweise zur Zitierweise." Zugriff am 7. August 2025. https://www.uni-hamburg.de/zitieren.

Kapitel aus einem Sammelband

Fußnote: ⁴ Anna Forschung, „Kreatives Schreiben im Studium", in Studieren mit Methode, hrsg. von Lisa Lehrreich, Stuttgart: Studienverlag, 2021, S. 88–102.

Autor-Jahr im Text: (Forschung 2021, 90)

Literaturverzeichnis: Forschung, Anna. 2021. „Kreatives Schreiben im Studium." In Studieren mit Methode, herausgegeben von Lisa Lehrreich, 88–102. Stuttgart: Studienverlag.

PDF-Dokument ohne klare Publikation

Fußnote: ⁵ Max Beispiel, Handreichung zur Zitierweise, o. O.: o. V., 2023, PDF-Datei, Zugriff am 7. August 2025, https://www.beispielseite.de/zitier-pdf.pdf.

Autor-Jahr im Text: (Beispiel 2023)

Literaturverzeichnis: Beispiel, Max. 2023. Handreichung zur Zitierweise. o. O.: o. V. PDF-Datei. Zugriff am 7. August 2025. https://www.beispielseite.de/zitier-pdf.pdf.

7. Wo die Chicago-Zitierweise bevorzugt wird

  • Geisteswissenschaften (besonders Geschichte, Theologie, Philosophie)
  • Kulturwissenschaften und Literaturwissenschaften
  • Kunst- und Musikwissenschaft
  • Sozial- und Politikwissenschaften (oft Author-Date)
  • Natur- und Wirtschaftswissenschaften bei empirischen Arbeiten (vor allem Author-Date)

Fazit: Mit dem Chicago-Stil souverän durchs Zitieren

Die Chicago-Zitierweise ist zwar doppelt aufgebaut, aber mit etwas Übung schnell verständlich. Wichtig ist, dass du dich für eine Variante entscheidest – Fußnote oder Autor-Jahr – und diese konsequent durchziehst.

Mit den richtigen Beispielen und einem klaren Blick auf die Formatierung steht einer sauberen Zitierweise nichts im Weg. Schau bei Unsicherheiten in die Richtlinien deiner Hochschule oder nutze offizielle Quellen wie das Chicago Manual of Style. Wenn du dich gerade auf eine größere wissenschaftliche Arbeit vorbereitest, hilft dir auch der Vergleich mit der Harvard-Zitierweise, um den passenden Stil zu wählen.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Variante der Chicago-Zitierweise soll ich verwenden?

Es gibt zwei Varianten: Notes and Bibliography (Fußnoten + Bibliografie, häufig in Geisteswissenschaften) und Author-Date (Kurzbeleg im Text + Literaturverzeichnis, typisch für Sozialwissenschaften). Frag bei deiner Hochschule nach, welches System verlangt wird – und bleib konsequent bei einer Variante.

Darf ich beide Systeme kombinieren?

Nein. Die beiden Chicago-Systeme dürfen nicht kombiniert werden. Entweder nutzt du konsequent Fußnoten oder konsequent Kurzbelege im Text. Nur zusätzliche Kommentare oder Anmerkungen dürfen in Fußnoten stehen, nicht aber Quellenangaben, wenn du Author-Date verwendest.

Muss ich bei Fußnoten trotzdem ein Literaturverzeichnis erstellen?

Ja. Auch im Notes-and-Bibliography-System musst du am Ende deiner Arbeit ein vollständiges Literaturverzeichnis anlegen. Es listet alle im Text genannten Werke alphabetisch auf, mit hängendem Einzug und einheitlicher Formatierung.

Wie zitiere ich Internetquellen nach Chicago?

Bei Internetquellen gibst du Autor oder Organisation, Jahr, Titel, Website und URL an. Im Author-Date-Stil: (Autor Jahr) im Text, im Literaturverzeichnis Autor. Jahr. „Titel.“ Website. URL. In Notes & Bibliography stehen dieselben Angaben in der Fußnote. Wenn kein Datum angegeben ist, nutze „n.d.“. Ein Abrufdatum ist nur nötig, wenn sich Inhalte regelmäßig ändern oder deine Hochschule es verlangt.

Gibt es offizielle Vorlagen oder Generatoren für die Chicago-Zitierweise?

Ja. Das offizielle Regelwerk ist das Chicago Manual of Style (17. Auflage). Zum automatischen Erstellen von Literaturangaben kannst du Tools wie Zotero, Citavi oder Mendeley nutzen. Prüfe aber immer die Ausgabe, da automatische Generatoren oft kleine Formatierungsfehler enthalten.

Was ist das Chicago Manual of Style?

Das Chicago Manual of Style (CMOS) ist das umfassende Handbuch zum Zitieren, Schreiben und Publizieren nach Chicago. Es beschreibt detailliert die Regeln zu Zitierformen (Fußnoten / Kurzbelege), Formatierung von Quellen, Tabellen und Abbildungen sowie zu Rechtschreibung, Interpunktion und Typografie. Die aktuelle 17. Auflage ist der Standard für wissenschaftliche Arbeiten.

Wie zitiere ich im Chicago-Stil ohne Datumsangabe?

Wenn kein Erscheinungsjahr bekannt ist, ersetzt du es durch n.d. („no date"). Author-Date: (Müller n.d., 45). Notes & Bibliography: ¹ Anna Müller, Titel (Berlin: Verlag, n.d.), 45. Im Literaturverzeichnis wird ebenfalls „n.d." statt eines Jahres angegeben.

Wie zitiere ich mehrere Quellen in einer Klammer richtig?

Mehrere Quellen werden im Author-Date-System alphabetisch nach Autor und chronologisch nach Jahr sortiert – getrennt durch Semikolons. Beispiel: (Meyer 2018; Schmidt 2019; Weber 2020). Wenn du mehrere Werke desselben Autors aus demselben Jahr zitierst, unterscheide sie mit Buchstaben: (Weber 2020a, 2020b).

Wie zitiere ich jemanden, der wiederum jemand anderen zitiert (Sekundärzitat)?

Chicago empfiehlt, immer die Originalquelle zu konsultieren. Wenn das nicht möglich ist: Author-Date: (Originalautor Jahr, Seite, zitiert in Sekundärautor Jahr). Notes & Bibliography: ¹ Originalautor, Titel (Ort: Verlag, Jahr), Seiten, zitiert in Sekundärautor, Titel (Ort: Verlag, Jahr), Seiten. Im Literaturverzeichnis wird nur die Quelle aufgeführt, die du tatsächlich gelesen hast.

Wie zitiere ich ein Kapitel aus einem Sammelband im Chicago-Stil?

Author-Date: (Autor Jahr, Seite). Literaturverzeichnis: Autor. Jahr. „Kapitel.“ In Buchtitel, herausgegeben von Hg., Seiten. Ort: Verlag. Notes & Bibliography: ¹ Autor, „Kapitel“, in Buchtitel, hg. von Hg. (Ort: Verlag, Jahr), Seiten.

Welche Schriftart und Formatierung sind im Chicago-Stil üblich?

Chicago gibt keine verpflichtende Schriftart vor. Verwende eine gut lesbare Standardfont wie Times New Roman 12 pt oder Arial 11 pt mit 1,5–2-fachem Zeilenabstand. Einheitliche Formatierung ist wichtiger als die genaue Schriftart. In der Bibliografie gilt: hängender Einzug, keine zusätzlichen Leerzeilen zwischen Einträgen.

Wie unterscheidet sich Chicago von APA oder Harvard?

Chicago Notes & Bibliography nutzt Fußnoten für Quellenangaben. Chicago Author-Date funktioniert ähnlich wie APA oder Harvard mit Kurzbelegen im Text. APA ist stark reglementiert und legt mehr Wert auf Formatierung von Überschriften, Tabellen und Zitaten. Harvard ist flexibler und variiert zwischen Hochschulen. Chicago ist besonders ausführlich und international in den Geisteswissenschaften verbreitet.

Chicago Zitierweise einfach erklärt – mit Vorlagen & FAQs